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Klimagipfel Madrid: Denn sie wussten nicht was sie tun!

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Kommentar

 

Die falsche Debatte

Der lauteste Diskurs momentan beschäftigt sich mal wieder mit Greta Thunberg und was sie der deutschen Bahn angetan hat. Wie kann jemand auch die schonungslose Realität des Nah- und Fernverkehrs aufzeigen – how dare you. Wie man möglichst unsouverän und stillos darauf reagieren kann, zeigte die Bahn dann selbst auf Twitter. Eigentor. Aber es ist auch schon äußerst wichtig über eine einzelne Person genauestens Bescheid zu wissen. Jeder hat eine Meinung über die Schwedin, viele haben seltsame Theorien über sie. Doch war da nicht noch etwas anderes? Etwas worüber wir wirklich reden sollten? Etwas über das wir wirklich Bescheid wissen sollten? Wo sind die Theorien über den Klimagipfel – wo sind das blanke Entsetzen und die Diskussion über das nahezu gescheiterte Treffen derer, die unseren Lebensraum schützen sollten?

Der Uno-Klimagipfel in Madrid wurde zuerst aufgrund zäher Verhandlungen verlängert, nur um dann annähernd ergebnislos beendet zu werden. Es ist schon beeindruckend wie viel Proteste und Demonstrationen im Vorfeld der Konferenz stattfanden, wie viele Berichte vorgelegt wurden, wie viele Stimmen immer lauter für eine Veränderung der politischen Landschaft gegenüber der Klimapolitik erklungen. Wir sahen Prominente, die sich medienwirksam verhaften ließen und die hunderttausenden Schüler, die ihre Bildung der Forderung nach einer lebensfähigen Zukunft unterordneten. Sie alle könnten jetzt resigniert ihre Köpfe sinken lassen und sich der Mission „Überleben der Menschheit“ abwenden.

 

Die mageren Resultate

Die Delegierten der 200 teilnehmenden Staaten und Organisationen konnten sich gerade einmal auf ein gemeinschaftliches Abschlussdokument einigen. Dieses enthält aber lediglich schwache Formulierungen und relativierende Bekenntnisse, die darauf referieren im nächsten Jahr die Klimaschutzziele für das Jahr 2030 vorzulegen. Die zentralsten Entscheidungen wurden aufgrund der mühseligen Verhandlungen auf das nächste Jahr und den nächsten Gipfel in Glasgow verschoben. Das nennt sich Prokrastination – die Aufschieberitis für die unser Planet keine Zeit mehr hat. Gerade über die zukünftigen Pläne der Regierungen zur Reduktion der Treibhausemissionen wurde am Ende heftig gestritten. Verbindliche Aussagen wurden von einigen Staaten abgelehnt. Verantwortung: Nein danke. Laut des Umweltministers von Costa Rica, einem besonders bedrohten Land, waren vor allem Brasilien, Australien und die USA an dem Zerwürfnis beteiligt. Das eine Land brandrohdet den Regenwald, die Lunge des Planeten, das Andere steigt nächstes Jahr aus dem Pariser Abkommen aus, das die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad zu deckeln versucht. Mit anderen Worten nichts gelernt und Augen zu, ganz gleich was der Konsens der Wissenschaft ist und ganz gleich wie groß der Protest der aufgeklärten Bürger noch ist.

 

Der Zug fährt ungebremst auf den Abgrund zu, aber die Schaffner streiten darum wer die Erlöse aus den Tickets bekommt.

Besonders bei den Klimazertifikaten, dem Ablasshandel der Neuzeit fand sich kein Kompromiss, da die blockierenden Staaten um größere Mengen emmitierbarer Co2 Tonnen schacherten. Da werden dann alte Zertifikate hergenommen, um die eigene Bilanz zu schönen oder eben noch mehr Freiraum zur Verpestung unseres gemeinsamen Raums zu erhalten. Die Regierungen pokern um möglichst große Verschmutzungsrechte, die durch Investitionen zum Beispiel in Solaranlagen in Entwicklungsländern daraufhin kaschiert werden können. Selbst wenn kühl kalkulierende Ökonomen und selbstverständlich Lobbyisten hinter dem Schönrechnen der Bilanzen stecken, wird man den Eindruck nicht los, es handele sich um trotzige kleine Kinder, die noch nicht lernten, dass neben ihnen noch andere Mitmenschen existieren. Immerhin sprachen auf dem Klimagipfel indigene Völker und Inselstaaten, die bereits in der Gegenwart unter den Folgen des Klimas leiden und ihre Bevölkerung in unmittelbarer Gefahr sehen. Ihnen allen wird ins Gesicht gesagt: Unsere Wirtschaft, unser Kapital hat Vorrang. Diese Politik geht über Leichen – tierische, pflanzliche und menschliche!

 

 

Natürlich ist es besser mit den vermeintlich uneinsichtigen Staaten nach Kompromissen und Lösungen zu suchen, anstatt sie einfach auszuklammern und zu isolieren. Nur durch den Druck der gemeinschaftlich agierenden Regierungen lassen sich die Quertreiber überzeugen, aber angesichts der vergebenen Chance müssen offensichtlich Maßnahmen gefunden werden, die den Ernst der Lage erkennen und ein Handeln mit Nachdruck einfordern. Der Zug fährt ungebremst in die Katastrophe. Ein weiter so kann es nicht mehr geben – ein Wegschauen ist keine Option.

 

Es hagelt Kritik

Es verwundert kaum, dass sich nach dem desaströsen Ergebnis der Konferenz viele Teilnehmer, Verbände und Organisationen nicht nur enttäuscht zeigen, sondern auch wütend sind.

 

 

Wie entwickelt sich der Protest?

Also alles aufgeben? Realistischer ist angesichts der Klimakatastrophe eher eine andere Gangart. Radikaler, konsequenter und zivil ungehorsamer – so wird womöglich die Zukunft unserer Gesellschaft aussehen. Wer kann es ihnen verübeln? Die Fakten sind hinreichend bekannt und die Ignoranz der Staaten nur allzu offensichtlich. Die Ermächtigung der Bevölkerung in ihrer konsequenten Form nur eine Frage der Zeit. Jeder von uns versucht jeden Tag einen Unterschied zu machen und möglichst nachhaltig zu leben und die Politik auf internationaler Ebene antwortet mit Arroganz und Kleingeistigkeit. Vielleicht sollten wir alle kommendes Jahr alleine deswegen auf Züge umsteigen (selbst wenn sie überfüllt sind s.o.), weil die Straßen für Autos vermutlich blockiert sein werden. Euer beeanco-Team (Ulf S.)

Foto: cocoparisienne

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